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Die Gefahren des Laufens bei heißem Wetter: Dehydrierung, Hitzekrämpfe,
Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Hyponaträmie
The Dangers of Hot Weather Running: Dehydration, Heat Cramps, Heat Exhaustion,
Heatstroke & Hyponatremia
Von Claudia Piepenburg
Originally published by Road Runner Sports
Das Laufen im heißen Wetter kann erhebliche Gefahren für Läufer darstellen.
Besonders gefährlich ist das Laufen unter heißen, feuchten Sommerbedingungen. Im
folgenden wird dargestellt, wie man sich vor den fünf größten und potenziell
tödlichen Gefahren schützt.
Dehydrierung (Entwässerung)
Wasserentzug gibt es nicht nur in den Sommermonaten, obwohl er mit größerer
Wahrscheinlichkeit während dieser Zeit vorkommen wird. Viele Ärzte glauben, dass
die meisten Menschen in einem andauernden Zustand des Wasserentzugs sind. Weil
Kaffee, Tee, Soda und Alkohol als Diuretikum wirken, ist wahrscheinlich jeder,
der diese Flüssigkeiten täglich trinkt und nicht mindestens die gleiche Menge
Wasser zu sich nimmt, dehydriert. Wenn man körperlich aktiv ist, ist das
Potential für den Wasserentzug noch größer.
Wer unter heißen, feuchten Bedingungen trainiert, fördert das Schwitzen, das
wiederum Wasserentzug verursachen kann. Das Schwitzen selbst ist grundsätzlich gut,
weil es den Körper abkühlt, aber wenn Sie zu viel Wasser verlieren, werden Sie dehydriert. Wenn Sie bereits leicht dehydriert sind, macht das Schwitzen es noch
schlimmer. Es ist daher wichtig, eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
permanent aufrechtzuerhalten. Erwarten Sie nicht, dass Sie mehrere Tage, an denen Sie
zu wenig getrunken haben, dadurch wettmachen können, dass Sie zwei Gläser eines
Sportgetränks vor Ihrem folgenden, langen Lauf trinken. Es ist wichtig, sich
konstant in einem gut hydrierten Zustand zu befinden. Sobald Sie
anfangen, sich durstig zu fühlen, ist es bereits zu spät.
Die durchschnittliche (sitzende) Person braucht mindestens 2 Liter Flüssigkeit jeden
Tag. Läufer brauchen mehr: etwa 3,5 bis 7 Liter. Denken Sie daran, dass Diuretika
nicht zählen! Trinken Sie Wasser und Sportgetränke, und wenn Sie sich über
Kalorien nicht sorgen müssen, Fruchtgetränke oder Saft.
Zwei Stunden vor Ihrem täglichen Sommertraining oder einem Rennen sollten Sie
ca. 0,5 Liter Flüssigkeit trinken. Dann ungefähr zehn Minuten bevor Sie
anfangen zu laufen, ein oder zwei Gläser Wasser oder Sportgetränk. Frühes und
häufiges Trinken ist oft der Schlüssel dazu, beim Lauf keine Probleme zu
bekommen. Während eines Rennens sollten Sie 200 - 400 ml
Flüssigkeit alle 15-20 Minuten trinken. Wenn das Wetter sehr heiß ist, kann es
sein, dass Sie sogar mehr trinken müssen. Wenn Sie im warmen Wetter trainieren,
sollten Sie mindestens alle 35 bis 40 Minuten trinken. Denken Sie daran, dass
Sie bereits vor dem Lauf trinken. Wenn Sie ein
Rennen laufen, das kürzer als 30 Minuten ist, werden Sie während des Laufes
wahrscheinlich kein Wasser brauchen, außer dem, das Sie vor dem Start getrunken
haben.
Dasselbe gilt für die letzten wenigen Meilen eines längeren Rennens. Wenn Sie
länger als eine Stunde laufen oder trainieren, trinken Sie Sportgetränke und
nicht ausschließlich Wasser.
Fangen Sie sofort nach dem Vollenden eines Laufs an zu trinken, ganz gleich ob
es ein Rennen oder ein Training war. Trinken Sie mindestens einen halben Liter
pro 30 Minuten Laufdauer. Wenn Sie dazu neigen, stark zu schwitzen, brauchen Sie
mehr. Wiegen Sie sich, nachdem Sie gelaufen sind. Trinken Sie mindestens 0,5
Liter Flüssigkeit für jedes Pfund, das Sie durch das Schwitzen
verloren haben.
Indem Sie die Farbe Ihres Urins kontrollieren, können Sie erkennen, ob Ihr
Flüssigkeitsbedarf ausreichend gedeckt ist. Das Urin sollte hellgelb oder klar
sein. Falls das nicht der Fall ist, müssen Sie mehr Flüssigkeiten trinken. Es
ist wichtig, dass Sie ausreichend hydriert bleiben, also achten Sie auf die
Farbe des Urins. Um Ihr Flüssigkeitsniveau wieder
herzustellen, essen Sie etwas Salziges (eine Tüte Salzbrezeln, gesalzene Nüsse, Cräcker oder Kartoffelchips), und trinken Sie anschließend ein Sportgetränk. Das
Salz wird Sie durstiger machen, so werden Sie noch mehr Flüssigkeit trinken und
die Urinproduktion (und damit Flüssigkeitsausscheidung) wird abnehmen.
Hitzekrämpfe
Haben Sie schon einmal einen Läufer oder eine Läuferin während eines Rennens
vornüber gebeugt an der Seite des Wegs gesehen, der seine Beine massiert?
Wahrscheinlich hatte er oder sie Hitzekrämpfe. Hitzekrämpfe sind sehr
schmerzhaft (stellen Sie sich vor, jemand sticht ein Messer tief in Ihre
Muskeln!), und selten verschwinden sie von selbst. Die Krämpfe kommen vor, weil
Sie Mineralien durch das Schwitzen und den Wasserverlust verloren haben. Sobald
Sie Hitzekrämpfe haben, es ist für den Lauf zu spät, um das Problem noch durch
Trinken beheben zu können. Um die Krämpfe verschwinden zu lassen, sollten Sie:
- Aufhören zu Laufen
- Umgehend Flüssigkeit trinken.
- Sowohl Sportdrinks als auch Wasser trinken
- Die Muskeln massieren, sobald der Schmerz nachlässt
- Ihren Körper mit nassen Handtüchern abkühlen
- Aus der Sonne gehen
Hitzeerschöpfung
Hitzeerschöpfung ist ein sehr ernsthafter Zustand, der zum Hitzschlag führen
kann. Die Symptome von Hitzeerschöpfung sind:
- Übelkeit
- Gänsehaut (speziell im Brustbereich und an den Armen)
- Brechreiz, teilweise auch Erbrechen
- Leichte bis starke Kopfschmerzen
- "Schwache Beine"
- Verlust des Koordinationsfähigkeit, Orientierungslosigkeit
- Schneller Puls
- Starkes Schwitzen, häufig begleitet von feuchter und kalter Haut
- Muskelkrämpfe
Wenn diese Symptome auftreten, müssen Sie
- Sofort aufhören zu Laufen
- Medizinische Versorgung in Anspruch nehmen
- Große Mengen Flüssigkeit trinken, speziell auch Sportgetränke
- Aus der Sonne gehen
- Hinlegen und Füße hochlegen (oberhalb Herzhöhe)
- Kleidung lockern
Hitzschlag
Der Hitzschlag kann tödlich enden. Leider ignorieren manche Läufer die Symptome
von Hitzeerschöpfung, welche vor allem bei Läufen auftritt, die 15-20 km
überschreiten. Sie pushen sich hoch und wollen weitermachen, bis sie sich
schließlich dem Kreislaufkollaps aufgrund des Versagens der körpereigenen
Wärmeregulierung nähern. Die Symptome von Hitzschlag sind denen der
Hitzeerschöpfung sehr ähnlich, aber führen zusätzlich sehr schnell zu
- Desorientierung
- Schwäche in den Beinen, bis zum Stürzen des Läufers
- merkwürdigem Verhalten
- verrückte Gedanken und Äußerungen
- hohem Puls
- Aufhören des Schwitzens und heiße, trockene Haut
- Die Körpertemperatur steigt auf 104° Fahrenheit (40°C) oder höher
- Bewusstseinseintrübung oder Verlust des Bewussseins
- Krämpfe oder Krampfanfälle
- Koma
Jemand, der einen Hitzschlag erleidet, benötigt sofort medizinische Behandlung.
Betroffene sollen aus der Sonne entfernt werden, und ihr Körper sollte durch Eis
gekühlt werden oder in kühles Wasser getaucht werden. Flüssigkeiten sollten
intravenös zugeführt werden.
Anm. der Redaktion: Für
die Betreuer beim Badwater ist es ein Muss, den Läufer (oder die Läuferin), wenn
z.B. die Symptome Desorientierung oder merkwürdiges Verhalten auftreten, sofort
aus dem Rennen zu nehmen, ggf. auch gegen den Willen des Läufers. Wenn
Desorientierung auftritt, ist der Läufer nicht mehr in der Lage, eine
Entscheidung zu treffen. Es gibt hierfür die Regel des "staking out". Das
bedeutet: Den Stock mit der Läufernummer in den Boden stecken, den Läufer ins
Auto laden und zur nächst gelegenen Versorgungsstation fahren. Dort den Läufer
vorläufig abmelden ("staking out"), zum Arzt bringen und herunterkühlen. Erst
nach Freigabe des Mediziners kann der Läufer den Lauf an der gleichen Stelle
wieder aufnehmen. Daran denken, dass Ihr das Badwater Team informiert, dass der
Lauf fortgesetzt wird.
Hyponaträmie (Untersalzung des Körpers, a.d.R.)
Innerhalb der letzten Jahre ist ein Zustand, der als Hyponaträmie (Salzmangel)
bekannt geworden ist, zunehmend in Aufmerksamkeit der Sportmediziner,
Physiotherapeuten und medizinischen Direktoren an einigen der größeren Marathons
gelangt. Hyponaträmie wird aufgrund ihrer Symptome auch Wasservergiftung
genannt. Nach Dr. Tom Noakes, Sportwissenschaftlicher Direktor der Universität
von Cape Town, "sieht eine Person mit Hyponaträmie aus, als sei er oder sie
betrunken. Sie kann sich nicht normal konzentrieren, vergisst, worüber
gesprochen wird und konzentriert sich auf irgendetwas anderes.".
Hyponaträmie tritt auf, wenn der Körper in einen gefährlich niedriges Stadium an
Natrium (Salz) kommt. Ursache ist, dass der Betroffene zu viel Wasser getrunken
hat. Obwohl dieses Phänomen wissenschaftlich schon lange bekannt ist, wurde es
erst in den letzten Jahren relevanter, weil immer mehr Läufer lange Marathons
laufen. Nach Dr. Noakes muss Flüssigkeit in hohen Mengen über mehrere Stunden
zu sich genommen werden, damit Hyponaträmie auftritt. Er vermutet, dass Läufer
für mindestens vier bis sechs Stunden Wasser trinken müssen, um den Zustand
herbeizuführen. Folglich sind Läufer eines Marathons, der vier bis sechs Stunden
oder länger dauert, besonders gefährdet.
Bedauerlicherweise sind die Symptome der Hyponaträmie ähnlich denen der
Dehydrierung und/oder Hitzeerschöpfung. Wenn man dem Läufer mehr Wasser zu
trinken gibt, verschlimmert sich die Hyponaträmie jedoch, da mehr und mehr
Natrium aus dem Körper ausgeschwemmt wird. Wenn man einem Läufer mit
Hyponaträmie intravenös Flüssigkeit zuführt, kann das zu einer fatalen Reaktion
führen. Dr Noakes und andere Sportmedizinfachleute empfehlen, dass Ärzte und
anderes medizinisches Personal an den Straßenrennen besonders aufmerksam
hinsichtlich der Anzeichen von Hyponaträmie sind. Eines der frühesten Symptome
ist das Verlangen nach salziger Nahrung.
Obwohl Hyponaträmie eher selten ist, sollte man sich dessen bewusst sein, dass
sie auftreten kann, speziell wenn man einen Marathon bei ungewöhnlich heißem
Wetter läuft. Hyponaträmie ist als Indikator, Flüssigkeit zu trinken, gut, aber
vergessen Sie nicht, Sportdrinks zu sich zu nehmen, die Ihren Körper mit Salz,
Kalium und anderen Spurenelemente versorgen, die sie durch das Schwitzen
verlieren. Noch einmal: Wenn Sie länger als eine Stunde laufen, sollten Sie
sowohl Sportgetränke als auch Wasser trinken.
Über den Autor
Claudia Piepenburg ist seit 21 Jahren Läuferin und ist Herausgeberin des "Peak
Run Performance". Sie hält oder hielt die nationalen Rekorde in ihrer
Altersklasse in Michigan, in Northcarolina, in Florida, in Tennessee und in
Virginia. 1990 war sie die achtzehnte unter den Frauen in der Welt und
1990 und 1991 die achtschnellste Frau in den USA. . . Sie bestritt 1988 die
Olympic Marathon Trials, war 1987 zwanzigste Frau im Boston Marathon und 1986
die Gewinnerin des Virginia Beach Marathon unter den Frauen. Wenn Sie Fragen
oder Kommentare an Claudia senden möchten, können Sie sie erreichen unter cpiepe@roadrunnersports.com |